Venezuela erwägt Währungsabwertung

New York (Reuters) – Venezuela schließt eine Abwertung seiner Währung nicht aus.

Die Regierung sei sich aber der Folgen eines solchen Schritts bewusst, betonte Finanzminister Ali Rodriguez am Samstag in New York, wo er an einer Konferenz der Vereinten Nationen über die Folgen der Finanzkrise teilnehmen wollte. Nach seiner Schätzung wird die Inflation in diesem Jahr rund 28 Prozent erreichen und auch 2010 “hoch bleiben”, solange Venezuela seine Abhängigkeit von importierten Lebensmitteln und Gütern nicht verringern könne.

Der venezolanische Bolivar ist fest an den Dollar gebunden. Die Rate von 2,15 Bolivar je Dollar ist nach Einschätzung von Volkswirten nicht mehr lange durchzuhalten. Auf dem Schwarzmarkt werden inzwischen mehr als 6 Bolivar je Dollar bezahlt.

Eine Abwertung würde den Verlust der einheimischen Kaufkraft verstärken, den Rückgang der staatlichen Einnahmen aus dem Ölexport jedoch zumindest in Teilen auffangen. Der viertgrößte Ölexporteur leidet unter dem Preisverfall beim Rohöl, das in Dollar gehandelt wird.

Drogenhändler Salvatore Miceli in Caracas festgenommen

Einer der meistgesuchten Drogenhändler der Mafia, Salvatore Miceli, ist in Venezuelas Hauptstadt Caracas festgenommen worden. Dies teilte die italienische Polizei mit. Miceli war seit 2001 auf der Flucht und soll Mittelsmann zwischen den kolumbianischen Drogenbaronen und den Mafiaorganisationen Cosa Nostra und ´ndrangheta in Italien gewesen sein. Er gehört zu den 30 meistgesuchten Mafiosi.

Eines der meistgesuchten Mafia-Mitglieder ist in der venezolanischen Hauptstadt Caracas festgenommen worden, wie die italienische Polizei am Sonntag mitteilte. Salvatore Miceli wird verdächtigt, zu einer der Schlüsselfiguren im Drogenhandel in Italien zu gehören. Miceli sei drei Tage lang von venezolanischen und italienischen Beamten beobachtet worden, bevor er am Samstagabend beim Verlassen einer Wohnung festgenommen wurde, teilte die Polizei in Trapani in Sizilien mit. Mit ihm seien noch zwei weitere gesuchte Italiener verhaftet worden.

Miceli gehörte zu den 30 meistgesuchten Mafia-Mitgliedern. Er war seit 2001 auf der Flucht. Er soll Mittelsmann zwischen den kolumbianischen Drogenbaronen und den italienischen Verbrecherorganisationen Cosa Nostra und ´ndrangheta gewesen sein. Der italienische Innenminister Roberto Maroni gratulierte der Polizei zu dem Erfolg.

Chávez will Ölpreis von 100 Dollar

Wie kaum ein anderes Land leidet das sozialistische Venezuela unter dem Rückgang der Rohstoffpreise. Staatschef Hugo Chávez will nun mit Russland kollaborieren und den Ölpreis weit in die Höhe treiben.

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat Russland gebeten, gemeinsam einen Ölpreis von 100 $ anzustreben. In einem Brief an den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew schrieb er nach eigenen Angaben vom Samstag, die großen Ölländer müssten sich zusammentun. Vizepräsident Ramon Carrizalez solle den Brief am Montag in Moskau Medwedew übergeben.

Venezuela erzielt mit Öl 93 Prozent seiner Exporterlöse. Der Ölpreis ist seit den Hochpreisrekorden im vergangenen Juli im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise um 53 Prozent zurückgegangen, am Freitag wurde das Barrel in New York für 69,55 $ gehandelt. Die Opec hat seit September ihre Produktion um 4,2 Millionen Barrel am Tag gedrosselt. Auch nicht dem Ölförderkartell angehörende Exportnationen wie Russland und Mexiko verkaufen weniger Öl.

Der sozialistische Präsident Chávez brachte erst kürzlich weitere Teile der Ölindustrie unter staatliche Kontrolle. Dabei wurden Anlagen und Güter von Zulieferern, Subunternehmen und Fördergesellschaften in Staatsbesitz übergeführt, “in Volksbesitz, der sie immer schon hätten sein sollen”, hatte Chávez in Caracas angekündigt. Die Aktion sei Teil eines “sozialistischen Konzeptes”.

Zuvor hatte das Parlament ein Gesetz zur Verstaatlichung einer Reihe von Öl-Dienstleistungsunternehmen verabschiedet. Soldaten besetzten im Hauptfördergebiet Maracaibo erste Anlagen und Einrichtungen von rund 20 Unternehmen.

Mit dem Gesetz wird es für die Regierung einfacher, zu einem späteren Zeitpunkt auch auf Anlagen großer Unternehmen wie der US-Konzerne Halliburton und Schlumberger zuzugreifen. Bei ihnen steht die staatliche Ölgesellschaft PDVSA mit Milliarden Dollar in der Kreide und baut immer größere Schulden auf, weil ihr wegen der niedrigen Ölpreise die Einnahmen zur Bedienung der Verbindlichkeiten weggebrochen sind.

Anfang März hatte der Staatschef per Dekret bereits die Enteignung einer amerikanischen Reisfabrik verfügt. Die Fabrik, die dem US- Lebensmittelkonzern Cargill gehörte, hatte sich nicht an die von der Regierung in Caracas verfügte Preisbindung gehalten, hieß es zur Begründung.

Venezuela stellt Pharma-Patente in Frage

Caracas ist bereit, Patente zu ignorieren,

Venezuela will Pharma-Patente nicht mehr anerkennen
Die linksgerichtete Regierung in Venezuela will bestimmte Pharma-Patente nicht mehr anerkennen und diese Medikamente von Herstellern im eigenen Land produzieren lassen. Wirtschaftsminister Eduardo Saman sagte im staatlichen Rundfunk, die Interessen von Aids-Patienten und anderen Kranken sollten künftig ein höheres Gewicht haben als die der ausländischen Pharmakonzerne.

Besorgt äußerte sich der Präsident des venezolanischen Pharmaverbands, Edgar Salas. Eine Missachtung internationaler Patente könnte ausländische Hersteller veranlassen, ihre Exporte nach Venezuela einzuschränken. Vor allem bei der Beschaffung neuer Medikamente seien dann erhebliche Probleme zu erwarten, sagte Salas. Venezuela importiert den größten Teil seiner Medikamente aus dem Ausland.

Künstler aus Venezuela überraschten ihr Publikum

Das grenzte an Zauberei

Ersatzensemble überraschte die Hörer der Lobenhäuser Kammermusikwoche

Von Agnes Dürr

lobenhausen. Die Kammermusikwoche in Lobenhausen endete am Samstag nicht wie geplant mit einem Brahmsabend. Denn die angekündigten Musiker hatten aus Krankheitsgründen abgesagt. Doch mit dem Ersatzensemble “A Trio” erlebte die Hörergemeinde einen überraschenden Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe der Kirchengemeinde Körle.

 

Die Künstler aus Venezuela überraschten ihr Publikum. Wer erwartet hatte, dass hier eine der üblichen, in unseren Städten öfter zu hörenden Gruppen aus Südamerika erscheinen würde, wurde schnell eines Besseren belehrt. Das A Trio mit Manuel Rojas (Flöte und Piccolo), Henry Linarez (Cuatro) und Agelvis Sanchez (Bass) zog mit ungebändigter Spielfreude die Zuhörer sofort in den Bann der Musik ihrer Heimat.

Bereits im ersten Stück, einer Waltz Venezuela von Ricardo Mendoza, schafften es die Künstler, den Zuhörern eine Gänsehaut anzuspielen, so schön, so sehnsuchtsvoll schmelzend spielte Rojas die Flöte.

Was er dann im Laufe des Abends auf dem Instrument vortrug, kann man fast als Zauberei bezeichnen: Rasend schnelle Glissandi, weiche, sehnsuchtsvolle Melodien, Modulationen durch die Tonarten, Tierstimmen nachahmend, Panflötentöne hervorlockend. Linarez benutzte, während er begleitete oder auch Soli vortrug, sein Instrument über und unter den Saiten als Trommel. Traditionelle Formen von Merengue, Joropo oder Zuliana gemischt mit Jazz, klassischen Elementen und bekannten Folklorerhythmen, stets auf höchstem technischen Niveau dargeboten. Perfektes Zusammenspiel, Mitgehen, traditionelle Musik oder Improvisation wurde zu einer Einheit und brachten unbändige Lebensfreude, Tanz und Traum zu den Besucher. Alle drei Muiker haben eine klassische Musikausbildung und spielen in Orchestern mit. Daneben widmen sie sich der Folklore ihres Landes, Arrangieren und Komponieren für ihre Gruppe selbst.

In den nächsten vier Wochen werden sie auf eine Tournee in Österreich gehen, um dort ihre Musik vorzutragen. Ihr Publikum wird es ebenso genießen wie das in der Lobenhäuser Kirche der Seligpreisungen

Venezuela stellt Kreuzfahrer unter Quarantäne

Ungeplanter Zwischenstopp für mehr als 1200 Passagiere auf dem spanischen Kreuzfahrtschiff “Ocean Dream”. Weil an Bord Fälle von Schweinegrippe festgestellt worden sind, haben die Behörden Venezuelas die Kreuzfahrer für eine Woche unter Quarantäne gestellt.

Drastische Reaktion der venezolanischen Behörden: Sie haben rund 1200 Passagiere des spanischen Kreuzfahrtschiffs “Ocean Dream” unter Quarantäne gestellt, weil an Bord die Schweinegrippe grassiert. Die 1219 Kreuzfahrer sowie die rund 460 Besatzungsmitglieder an Bord dürften das vor der venezolanischen Insel Margerita liegende Schiff eine Woche lang nicht verlassen, teilte die Regierung am Mittwoch mit.
Bei drei Mitgliedern der Besatzung der “Ocean Dream” war eine Infektion mit dem Grippevirus H1N1 bestätigt worden. Zuvor hatten bereits Barbados und Grenada den Passagieren nicht erlaubt, an Land zu gehen. Die der Royal Caribbean in Miami gehörende Kreuzfahrtreederei Pullmantur gab zunächst keine Stellungnahme ab.

In Venezuela gibt es 45 bestätigte H1N1-Fälle. Auch in einigen Staaten der Karibik wurden Erkrankungen bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die sogenannte Schweinegrippe in der vergangenen Woche zur Pandemie erklärt.

Reuters/AP

Erfurtshausen liegt im Regenwald von Venezuela

Im Jahr 1851 wanderte Andreas Breidenstein nach Venezuela aus und brachte so ein Stück Oberhessen mitten in den Regenwald.

von Nadine Weigel

Erfurtshausen. Zur Ahnensuche gibt es Käsekuchen und Kaffee. Der Tisch in der gemütlichen Stube ist mit dem guten Geschirr eingedeckt. Alfredo lacht und blickt in die Runde. „Ai, jo, des es schie“, sagt er zufrieden und grinst. Alfredo stammt aus Venezuela. Er spricht kein Deutsch – aber hessisches Platt, das spricht er noch. Alfredo und sein Bruder Enrique Breidenbach stammen aus der Colonia Tovar, einem Ort westlich von Caracas. Mitten im subtropischen Regenwald erhebt sich auf rund 2.000 Metern über dem Meeresspiegel eine Stadt, die so gar nichts venezolanisches an sich hat. Inmitten von immergrünen, meterhohen Tropenwäldern ragen Fachwerkhäuser auf, wie sie eigentlich nur typisch für Hessen oder den Schwarzwald sind. Die Colonia Tovar ist deutscher als manches Dorf in Deutschland. „Wir sind uns eben unserer deutschen Wurzeln bewusst“, sagt Enrique Breidenbach. Der 59-Jährige und sein 66-jähriger Bruder sind Nachkommen eines deutschen Auswanderers. Im Jahr 1851 verließ Andreas Breidenbach Deutschland, um in Venezuela ein neues Leben zu beginnen. Breidenbach war Lehrer in Erfurtshausen, zusammen mit seiner Frau und neun Kindern siedelte er sich in der Colonia Tovar an. „Andreas Breidenbach brachte es aber kein Glück. Er ist schon ein Jahr später an Heimweh gestorben“, erzählt Christina Schraub-Rhiel, die Alfredos und Enriques Spanisch übersetzt.

Chavez-Kritik von Bischöfen und Menschenrechtlern

Die Bischöfe Venezuelas bekommen Rückendeckung von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Die Warnung der katholischen Oberhirten, die Agenda von Präsidenten Hugo Chávez untergrabe das demokratische Zusammenleben im Land, sei berechtigt, so die Organisation mit Sitz in Frankfurt. Jüngste Gesetze zeigten, dass Chávez sich nicht an den Wählerwillen halte und ihm jedes Mittel zur Festigung der Macht recht sei. Der Präsident beschleunige einen Kurs zur „Kubanisierung“ Venezuelas, so die Menschenrechtler. Das heutige Venezuela sei gekennzeichnet von einer wachsenden Zahl politischer Gefangener, der systematischen Einschüchterung von Kirche, Gewerkschaften und oppositionellen Politikern und dem Versuch, die Medien gleichzuschalten. – Die Religionsfreiheit sei in Gefahr, hatten die Bischöfe Venezuelas bei ihrem noch laufenden Ad-Limina-Besuch im Vatikan kritisiert. Die politische Agenda des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ von Präsident Hugo Chávez habe „eine wachsende politische Polarisierung, eine Zunahme der Gewalt, der Unsicherheit und des Hasses sowie eine schwere Störung des friedlichen demokratischen Zusammenlebens“ zur Folge, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Ubaldo Santana.
(pm 12.06.2009 bp)